Bowspring WS Davos 21./22.4.2018 w/ Bastian

Bowspring – Neue Facetten im Yoga

mit Bastian Schlickeisen (Berlin)

www.sunnegruess.ch

Das allgemeine Kennzeichen des Bowspring Yogas ist die Anerkenntnis einer mehrfach geschwungenen Körperlinie, die zum Zweck hat, eine grunddynamische Beweglichkeit in jedem lebendigen Körper zu ermöglichen. Mehrere Kyphosen und Lordosen führen den menschlichen Körper in eine geschmeidige Aufrichtung. Zum anderen arbeitet diese neue Methode mit dem als Biotensegrity (tension = Spannung; integrity = Zusammenhalt) bezeichneten Modell, das in der neuesten Faszienforschung als Erklärung dafür dient, wie der Körper sich eigentlich trägt und erhält: Nämlich über weitverzweigte Druck- und Zugbeziehungen in Muskeln, Sehnen, Bändern und Faszien (und nicht über das Knochengerüst). Während wir üben, suchen wir den gesamten Körper in seiner Beziehungsvielfalt im Blick zu haben, wir dehnen und twisten über lange Ketten, wir springen und hüpfen durch Einsatz der rückwärtigen Muskelkette, die in der Fußfaszie beginnt und über das Gesäß und den Rücken bis zum Kopfe reicht. Ziel der Bowspringpraxis ist es, eine diverse Beweglichkeit anzuregen, die leichtgängig und nachhaltig ist, die motiviert und die nährt.

20.4.2018

18:30 – 20:00 Uhr

Vorstellung, Einführung und Kennenlernen

Am Freitag Abend möchte ich mich Euch kurz vorstellen und von meinem Werdegang erzählen, dem Übergang vom klassischen Yoga (Anusara) zum postmodernen, kurvigen Bowspring. Ich möchte Euch gern kennenlernen und eure körperlichen Verfasstheiten erspüren. Ihr erfahrt etwas über die Gründer des Bowsprings und die Anliegen des Stiles. Wir steigen achtsam in die Körperarbeit ein, wir atmen uns weit im Radiant Heart.

21.4.2018

10:00 – 12:00 Uhr

Embodyment

Embodyment bedeutet in der Wissenschaft der Faszien ein sensitiv-freundliches Zugewandtsein zur eigenen Vorfindlichkeit des Körpers. Der Übende trachtet zunächst weniger danach, bestimmte von außen vorgegebene Asanas einzunehmen, sondern danach, ein Gefühl für die möglichen und vom Körper oft auch schon vorgegebenen Bewegungsrichtungen zu erlangen. So sprechen wir im Bowspring etwa von sogenannten mounds & valleys, den Hügeln und Tälern, die in härteren und weicheren Formen sich oft gegenüberstehen: am Ellenbogen und in der Ellbogengrube, am Knie und in der Kniekehle, am Gesäß und in der Leiste, an der Schulter und in der Achsel. Diese geben die Möglichkeit vor, statische Bewegungsmuster aufzulösen und vielfältige sowie weitreichende Dynamiken zu entwickeln. Embodyment heißt, du gehst MIT deinem Körper in die Praxis, nicht gegen ihn. Du züchtigst ihn nicht, du heißt ihn willkommen. Du bekommst Zeit, bestimmte bislang unbeachtete Körperareale zu erkunden und sie für deine Praxis progresssiv zur Verfügung zu haben.

14:00 – 16:00 Uhr

Atmung, Root & Rise, Federn

Ausgehend vom Radiant Heart, des allseitig gefüllten Brustraums und der weit offenen Schulterblätter entwickeln wir erste Sequenzen, jap. Katas, die uns die Grundideen des Bowsprings erkennbar machen: Readyness (anhaltende Bereitschaft zu einer Aktion), lightness (Leichtigkeit etwa auf dem Vorfuß) und springyness (müheloses Hüpfen, Springen, Segeln, Schweben aus der elastischen Speicherkapazität des Bindegewebes, der Faszien). Diese Sequenzen sind zunächst ungewöhnlich, als auch dreidimensional. Wir suchen den größtmöglichen range of motion, um das Beziehungsgefüge des Körpers wach und ausbaufähig zu halten. Root & Rise bedeutet dabei, dass der untere Teil des Körpers vom Becken abwärts eher erdende Qualität hat, während der obere Teil von der Taille aufwärts eher himmlisch ausgerichtet ist. Zwischen diesen zwei Subsystemen besteht eine produktiv-dynamische Wechselwirkung. Das Federn bringt nicht nur Weichheit in das System, sondern auch Eleganz und verjüngende Impulse. Der kollagene Stoffwechsel wird angeregt, altes Zellmaterial abgeführt, neues zur Entstehung gebracht.

22.4.2018

10:00 – 12:00 Uhr

Vom Körper in den Geist – der mystische Aspekt des Bowsprings

Der spirituelle Aspekt dieses Yogas besteht darin, Ganzheitlichkeit in der Ausführung anzustreben und zu erleben. Es ist immer der ganze Körper als pulsierendes Gefüge, der im großen Zusammenhang des Bindegewebes uns schließlich eine Erfahrung der Transzendenz ermöglicht. Manche Forscher sprechen sogar von nur EINER Fazie, die unseren Körper umhüllt, durchformt und ernährt (anstatt von den Faszien im Pural). Das ist im Westen beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, da der Verstand hierzulande gerne die Dinge analytisch trennt und seziert. Aber wo beginnt die Achillessehne, wo endet sie? Faszienyoga liegt per se jenseits dieser trennenden Vorstellung. Wir wollen als Yogapraktizierende mehr und mehr dahin kommen, nicht bestimmte einzelne Areale oder Körperthemen (Hüftöffnung, Twist, Umkehr, Stretch etc.) für sich allein in den Blick zu nehmen. Am Ende einer Bowspring-Klasse solltest du in der Lage sein, alles zu tun, was du willst. Die endlos bindegeweblich-liquide Struktur deines Körpers, die wir im Bowspring zur Grundlage des Bewegens nehmen, mache dies möglich. Aus dieser ganzheitlichen Wachheit heraus spürst du auf mystische Weise Übergänge des Bewusstseins in Bereiche dessen, was einige Bowspringer den BLISS nennen, die Seligkeit erweiterter, transzendenter Wahrnehmung.

14:00 – 16:00 Uhr

Fascial Release

Eine bestimmte, andere Spielart eines faszienorientierten Yogas ist das Bewegen ohne explizit muskuläre Ansteuerung. So kann eine Bewegung zum Beispiel entstehen, wenn das Gewebe so weit in Vordehnung gebracht wird, dass anschließend katapultgleich die Gegenbewegung einsetzt. In dieser Weise wirft ein griechischer Speerwerfer sein Speer oder Diskus. Früher spielten Kinder mit Springseil und Gummitwist und nutzten ihr junges Kollagen für leichtgängige Bewegungsfreude. Skipping, aber auch Vorwärts- und Rückwärtsrollen gehörten zu einem spielerischen, alltäglichen Bewegungsverhalten, dass wir heute als Faszientraining benennen und vermissen. Die Orientierung des zeitgenössischen Menschen auf sitzende Tätigkeiten lassen das Gewebe verkümmern und verfilzen, was zu einer unnatürlichen Körperhaltung führt. Am mehr oder weniger aufrechten Gang kann man die Beschaffenheit des Bindegewebes eines Menschen erkennen. Eine aufrechte Haltung sollte dabei niemals anstrengend sein. Neben dem spielerischen Effekten der Eigenbewegung nutzen wir zum Beschluss des Workshops einige interessante Massagetechniken, die uns die Formbarkeit des menschlichen Körpers vor Augen führen. Im Bowspring massieren wir das Gewebe qua Druck und Zug in bestimmte Richtungen.