bowspring all around

The Bowspring Practice – Einführung

Das Jahr 2012 sorgte für einigen Wirbel in einem nicht unbedeutenden Teil der Yogaszene. John Friend, der Begründer von Anusara Yoga, des am schnellsten wachsenden Yogastils der Welt, sah sich gewissen Vorwürfen ausgesetzt, die in ihrer medialen Verhandlung schließlich zum Ausscheiden seiner selbst von seiner eigenen Gründung führten. Anusara war und ist bekannt für ein intelligentes, auf seine Weise ganzheitliches Körpersystem, das der Durchführung der Asana eine klare, logisch durchstrukturierte Begründung gibt. Über Jahre beobachtete John Friend die großen indischen Yoga-Gurus, um sich schließlich 1997 an ein eigenes von Iyengar inspiriertes System, eben Anusara, heranzuwagen und dieses erfolgreich aufzustellen.

Wie nun genau der Sinneswandel sich vollzog, der zu einer neuen Ausrichtungspraxis, dem Bowspring, führte, wird eines Tages genauer beschrieben werden. Bekannt ist, dass John Friend im Jahr 2012 nicht nur unter den Vorwürfen litt seinen Lebenswandel betreffend, sondern auch einer – in seiner Praxis begründeten – Verletzung anheim fiel, derer er vermittels seiner eigenen anusarischen Ausrichtungsidee (der Spiralen und Loops) nicht mehr Herr wurde. An dieser Stelle kommt Desi Springer ins Spiel, eine langjährige Schülerin Friends. Ihr Körperbau widerspricht per se einem der gängigsten Ausrichtungsprinzipien moderner Yogapraxis, dem tuck-in-tailbone, der Steißbeinaktion, die John Friend einst bei Iyengar beobachtete und schließlich als Beckenloop seinem System einverschrieb. Desi war es kaum möglich, diese Aktion wirklich auszuführen, da die natürliche Kippung ihres Beckens nach vorn und die Hebung der Gesäßmuskel nach oben dem gängigen „standard model“ (dem default) sich widersetzten. Je mehr sie ihr Steißbein nach unten zog, um so kräftiger schnappte es wieder hochwärts. Ihre natürliche, erstaunliche Kurvatur im unteren Rücken, Lordose oder oft auch „Hohlkreuz“ genannt, machte ihr keine Probleme, obwohl die gängige Meinung eben die war, dass der untere Rücken Länge braucht durch die Steißbeinaktion nach unten.

Kurz: Die Zusammenarbeit von Desi Springer und John Friend führte in seiner gegenseitigen Einlassung zu einem neuen Ausrichtungsprinzip, dem Bowspring. Dieser ist ein dynamisches Faszienyoga, welches wiederum den großen Ausrichter John Friend erkennen lässt, der detailreich das Geschehen auf der Yogamatte durchbuchstabiert. Ein bedeutsames Kennzeichen des Bowsprings ist die Zulassung der vielfältigen Kurven des menschlichen Körpers und deren funktionelle Erklärung im Rahmen spannungsgeladener Bewegtheit. Gebeugte Knie ermöglichen ein Pulsieren innerhalb der Asana. Bindegewebe wird allseitig durch präzise, biomechanische Druck- und Zugvorgänge aktiviert und bewässert. Ein sogenanntes Radiant Heart, das ballonartige Weiten des Brustkorbs zu allen Seiten, schafft Leichtigkeit in der Aufrichtung und kyphotischen Ausgleich zur bewusst eingenommenen, lordotischen Kurve in der Lende. Muskel- und fasziale Ketten werden engagiert, was dazu führt, dass jeder Asana eine federnde Potenz innewohnt, sich selbst durch Bewegung zu vertiefen und zu übersteigen und durch überraschende Sprünge und Schritte zu transformieren. Die Bowspring-Praxis ist das erste Yoga, welches sich nicht direkt auf indische Wurzeln beruft, sondern typisch westlichen, aus der alltäglichen Statik geborenen Körperproblematiken begegnet. Die Anatomie des Tieres wie auch die Techniken nativer Kulturen wurden bei der Erarbeitung der „neuen“ Ausrichtungsprinzipien beachtet.

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Im Jahr 2016 erfolgt der inhaltliche Split zwischen SRIDAIVA und dem BOWSPRING. The Bowspring Practice bezieht sich seitdem auf die reine körperliche Technik mit dem Fundament der 10 Schlüsselaktionen. Sridaiva bezieht sich auf alle Bereiche des Lebens, die neben der körperlichen Praxis in den Blick genommen werden: eine klare Diät (vegan, gluten-free), bestimmte verhaltensmäßige Tugenden bzw. die Art, das Leben überhaupt zu gestalten.