Yin Yoga und Bowspring – Von Sanja Wieland (Düsseldorf)

Sanjas Text über den Zusammenhang von Yin und Bow ist der erste Gastbeitrag auf meinem Blog. Es besticht mich der hier wehende spirituelle Geist, der die körperliche Form der verschiedenen Yogastile durchdringt. Sanjas Zugang und Schreiben ist eine Perle im zeitgenössischen Yogadiskurs und sei hier mit euch geteilt.

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Yin Yoga und Bowspring – klingt für viele erstmal als absolut gegensätzlich und manche meinen sogar, es sei definitiv nicht vereinbar. Sobald man jedoch an dem äußeren Erscheinungsbild vorbei fühlt und sich tief auf die Wirkung dieser beiden wundervollen Stile einlässt, ähneln und ergänzen sie sich auf ungeahnt berührende und heilsame Art und Weise.

Bowspring habe ich als das „weibliche“ Yoga kennengelernt, weg von der festen starren Form, hin zu den Kurven. Es ist dynamisch, ständig in Bewegung und dennoch sensitiv, fein, pulsierend. Es wirkt in und durch die Faszien der langen Muskelketten, berührt tief und lässt uns anknüpfen an eine in uns wohnende Kraft, die wir im Alltag oft unter einem Verspannungs-Panzer verbergen. Reines Quellwasser, das sich mäandernd und spielerisch seinen Weg sucht, ursprünglich, immer neu und radikal frei – so erlebe ich Bowspring. Es macht uns über den Körper erfahrbar, wie wir uns aus uns selbst heraus Kraft und Halt geben können um die Flügel unseres Seins voller kraftvoller Leichtigkeit weit aufzuspannen und das Leben in all seinen abwechslungsreichen und sich ständig wandelnden Facetten zu feiern.

Yin Yoga kommt rein äußerlich betrachtet natürlich erstmal ganz anders daher. Langes stilles Verweilen, ruhige Entschleunigung mit so wenig Bewegung wie möglich. Doch diese Ruhe ist alles andere als starr, sie ist im Gegenteil sogar äußerst lebendig. Im Yin Yoga lassen wir uns sanft in die tiefen Faszien sinken und kommen so in Kontakt mit dem feinen sinnlichen Puls des Lebens. Wenn wir aufhören rein muskulär zu „tun“, erlauben wir uns ein hinein fühlen in die harmonischen Rhythmen des Lebens, die sonst im alltäglichen Lärm ganz gerne mal untergehen.

Auch hier erlauben und suchen wir Kurven in denen wir uns jedoch nicht im alltäglichen Sinne krümmen oder verbiegen. Es ist ein offenes sich hingeben, ein demütiges schmelzen, ein sich vor sich selber verneigen. Wir durchweichen unsere emotionale Alltags-Rüstung, kommen unserem Kern näher und werden Schicht um Schicht berührbarer.

In meinen Yin Yoga Klassen räkeln wir uns spielerisch in die Position hinein, erschaffen Raum im hingebungsvollen Schmelzen durch die Form hindurch, tiefer in uns selbst um dann vom äußeren immer feiner und letztlich eins zu werden mit den lebendigen Atemwellen des Hier und Jetzt.

Das fällt vielen oft schwer, vor allem weil wir dort verweilen und die Wirkung dieser liebevoll annehmenden inneren Haltung uns selbst gegenüber wahrlich pur erleben ohne uns durch äußere Aktivität von dieser Erfahrung der Selbstliebe ablenken zu können.

Tief tauchen in den stillen klaren See, das ist für mich Yin Yoga. Auch dort ist Bewegung, nur eine gänzlich andere, denn starres Wasser wäre entweder ein harter Eiskristall oder schlichtweg tot.

Wir berühren die tieferen Wellen und Strömungen des puren Seins.

Bowspring und Yin Yoga – beides ist weiblich, beides ist Wasser, beides ist frei von jeglicher äußeren Form, beides konfrontiert uns liebevoll schonungslos mit unserer Freiheit selber Schöpfer unsere Erfahrung zu sein, beides lädt ein uns endlich wieder zu fühlen. Es fordert unsere Achtsamkeit und unseren Sanftmut. Es gibt keine Vorgaben im Sinne von richtig oder falsch, es gibt keine statische Ausrichtung, keine Korrektur oder gar ein vorgegebenes Ziel. Beide Stile führen zur Quelle unserer Kraft, zu unserer unermesslichen Schöpferkraft. Und sie fordern uns auf Frieden mit unserem Körper, diesem wundervollen Sinneswerkzeug zu machen, diesem Geschenk, uns hier in diesem Leben zu erfahren, mit unserem ganzen Wesen zu wachsen und zu lernen.

Für mich ist beides eine äußerst spirituelle Praxis, die in der Kombination ein wundervolles Ganzes ergibt.

Einmal kraftvolles Erleben und Ausagieren unserer eigenen kreativen Schöpferkraft, einmal stilles Beobachten, Gewahrwerden, Anerkennen und Danken ebendieser Kraft.

Das Göttliche erschafft alles Sein. Dann ruht das Göttliche und erkennt an, es war gut.

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Sanja unterrichtet und lebt mit ihrer Familie in Düsseldorf. Kontakt: http://www.care-4-you.com

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