Das Licht / 25.6.-1.7.2018

Wer über Erleuchtung wagt zu sprechen, der muss den Mut haben von sich selbst sprechen, von seiner Erfahrung. Denn es gibt keinen generellen Konsens darüber, was Erleuchtung ist. Einfacher wäre es, eine Auseinandersetzung über weltliche Themen zu führen, über Politik oder Fußball, über Gesellschaft oder eben Dinge, über die man ein Meinung haben kann – während ein anderer eine andere hat. Erleuchtung als Thema befindet sich jenseits der alltäglichen Debatten, jenseits der Meinungsfelder. Wenn du jedoch, aus irgendeiner Gnade heraus, am Licht dich weiden durftest, wird dein Alltag und dein Leben ein anderer und ein anderes sein. Dies ist die Gefahr. Du wirst ein anderer sein, als der, den du als Ich lieb gewonnen hast.

An einem Morgen der letzten Tage geschah mir das Licht. Es war nach einer Atemübung, die von Wim Hof her bekannt geworden ist, dem großen Sucher nach Befreiung. 3 x 40 Atemzüge, gemäßigt, aber nicht belanglos, eine Hand auf dem Unterleib, die andere auf der Brust. Zwischen diesen Zyklen lange Verhalte des Atems, Pausen, in denen das Ego mit seinen Identifikationen und Problemen allmählich stirbt. Beobachtung dieses inneren Prozesses, der sich in den relaxierenden Muskulaturen widerspiegelt. Bis zu einem Punkt, dass kein Zugriff zum Körper mehr möglich ist, keine Einmischung mehr statthaben will. Die letzten Gedanken verbrennen im dritten Auge, das nur noch weiß leuchtet und lockt. Der ganze Körper beginnt zu strahlen, von der Ferse, ins Becken, zum Kopf. Entlang all der Punkte, die besonders schwer und gut am Boden liegen. Ich gebe mich vollkommen auf. Da ist kein Zugriff mehr als nur die Möglichkeit der Anschauung, der Kontemplation, dieses Ereignisses aus Licht. Zeit hört auf. Die Teile des Körpers sind vereint in Einer Empfindung. Da ist nicht Bewusstlosigkeit, sondern das Totale Bewusstsein. Da ist kein Rausch, sondern vollkommene Klarheit. Da ist tiefes Shavasana, Shava der Leichnam. Es ist kein Tod lebendiger als der, der Erleuchtung benannt ist.

Kann ich die Atmung tun, und das Licht erlangen, könnte man fragen? Nein. Du musst es immer wieder tun. Du musst ein Verlangen haben nach Gott und dem Licht und der Freiheit, das alle anderen Verlangen übersteigt. Vor allem das nach Sicherheit und Bedeutung. Du musst aufhören, dich mit dir selbst zu beschäftigen. Du musst anfangen, dich mit Erleuchtung zu beschäftigen, unaufhörlich. Du musst sagen können: Das, was ist, ist nicht das, was IST. Da ist etwas anderes, wozu du gerufen bist und jeder Mensch, der in den Debatten der Welt sein Zuhause nicht findet. Der nicht zu beruhigen ist. Dieser Mensch ist gerufen in das Licht. Du musst die Arroganz haben, daran zu glauben. – Manche Intellektuelle würden nun sagen, warum sprichst du von dir, wenn du doch dich losgeworden bist?! Was lügst du uns vor?! Und tatsächlich sagte ich zu der Person, die neben mir anwesend war und in derselben Übung versunken: Zieh mich heraus mit Gewalt aus diesem Licht, ich kann es selbst nicht mehr tun. Und so entkam ich. Wofür? Um davon Zeugnis zu geben, dass das Leben etwas für uns bereit hält, dass weit größer ist, als was wir uns gerade vorstellen können. Glaube daran.

3 comments

  • Lieber Bastian
    Ich bin so dankbar für deine Worte und zu tiefst berührt in meiner Seele.
    Das lesen deiner Worte, das Verständnis der dahinterliegender Gefühle erwecken eine tiefgründige Sehnsucht nach Frieden, Ruhe, das Grenzenlose, Weite, Fülle, Freude nach Allem und nach dem Nichts.
    Sehr interessant und ich möchte einfach nur DANKE sagen.
    Ich wünsche dir alles liebe
    Tajana

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