Bitte und Dank, eng verwoben / 30.4. – 6.5.2018

Stellt euch vor, ihr bekommt ein Paket mit der Post, das ziemlich klar an euch adressiert ist. Du nimmst es entgegen, und stellst es in die Ecke. Da steht es und steht. Eines Tages aber bist du bereit es zu öffnen. Es kommt dir wie zufällig vor die Augen, du nimmst den Staub herunter, und die Gabe erblickend, fließt die Gnade in dein Herz.

Gerade lese ich ein Buch über den Heiligen Vinzenz Pallotti (1795 – 1850). Den Heiligen ist ja zu eigen, dass sie ein grenzenloses Vertrauen haben. Auch wenn die Dinge nicht nach ihrem persönlichen Geschmacke verlaufen, bleibe sie in der Liebe, in der Achtung der Vorsehung gegenüber, tief in der Demut fundamentiert. Woher soll ich wissen, zu was gut ist, was mich ereilt? Pallottis Gebetsweise etwa war ungewöhnlich in der Art, dass er selten Gott um etwas bat. Vielmehr hatte sein Gespräch mit Gott stets den Flair von Dankbarkeit. Das irritierte einige ihn zu dieser Zeit begleitenden Menschen, die sich und ihn fragten: Müsse ich nicht erst um etwas bitten, um hernach zu danken, wenn ich den Wunsch erfüllt finde? Wie könne ich danken für etwas, was ich noch nicht erhielt?!

Pallotti war klar, dass Gottes Gnade immer schon größer ist als unsere Einsicht. Er ging also davon aus, dass wir längst haben, worum wir bitten – es aber in diesem Moment noch nicht erfassen können. „Auch danke ich Gott nicht für das, was ich bin, sondern für die mir gewährte Gnade, das zu sein, was ich nicht bin“, so der Heilige. Man könnte so weit gehen zu sagen, dass meine nützliche Bitte, etwa um Klärung meines Geistes, von Gott selbst eingegeben und gesprochen ist. Nur Eingegebenes ist aussprechbar. Und wenn wir nicht zynisch oder misstrauisch von Gott denken, dann wird verständlich, dass er nicht eine Bitte durch uns hindurch spricht, die er nicht schon, in seinem weiten Herzen, erfüllt hat.

Die Energie, mit der du dich umgibst, ist die Energie, die dich prägt. Yoga möchte den Praktizierenden aus dem Zweifel heraus in die Hoffnung, in das Vertrauen und in die Einsicht der Güte, die mit ihm ist, führen. Was du voraus schickst, was du ersehnst, hat dich schon ergriffen.

[zum Foto:]
Strand in der Nähe des Kornspeichers Mauritz in Zicker auf Rügen, Ort des Oktober-Retreats (4.-7.10.2018) – schnelle Anmeldung nützlich.

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