Irinas erstes Faszienyoga

Irina, deren Muttersprache das Russische ist, lernte ich im Spirityoga Berlin kennen. Nach der Klasse, die mittlerweile nicht mehr Rückenyoga, und noch nicht Bowspring hieß, sondern eben Faszienyoga, kam Irina auf mich zu und befragte mich wegen einiger Ausrichtungsdetails, vor allem der Sprünge wegen und wie diese mehr Leichtigkeit erfahren könnten. Ihr Interesse an der intuitiv-sensitiven, aber auch kräftigenden Art des Yogas hat sich bis heute noch verstärkt. Irina hat ursprünglich ihre Wurzeln in einer modernen Form des Pilates.

Folgenden unterhaltsamen, zuweilen von starker Ironie durchzogenen und durchaus literarischen Text schrieb Irina im Anschluss an den Besuch jener Klasse. Ich gebe das Original und meine Übersetzung hier wieder. Viel Spaß!

Горячий воздух, запотевшие окна, стоны, люди, развалившиеся на полу, пот течёт с меня рекой… нет, это не то, о чем вы подумали. А о чем, собственно, вы подумали? 

Тот вечер я решила провести спокойно. 

И венчать свою двухчасовую тренировку по пилатесу йогой для фасций. Ну раз речь идёт о фасциях, подумала я, то это наверняка что то вроде инь йоги: полежишь, потянешься, отоспишься – и со свежими силами домой! 

Ага! 

Когда тренер вместо трёхкратного пения ОМ, серьёзно начал рассказывать о том, что такое фасции, что это за йога,  и почему тигрица перед нападением на газель не потягивается, а группируется – я высокомерно фыркала и нетерпеливо елозила в позе Лотуса. – Поскорее уже хотелось прилечь на мат и дать своим утомленным фасциям хорошенько расслабиться. 

Начали мы с того, что сев на попу, потянулись  левой рукой  на воображаемую полку за воображаемой чашкой, высоко вправо, а правой рукой при этом надо было поглаживать левую ягодицу… нет не соседа! – свою! и тут я поняла, что выспаться не удасться! Во всяком случае не здесь!

После чашек мы рвали ртом малину, просовав голову через расставленные ноги, потом мы были ланями, бегущими от леопарда, затем тем самым леопардом, преследующим лань. Вечер был долгим, фантазия тренера – неисчерпаема. Примерно к половине занятия пол-зала тяжело лежали на полу и пытаясь отдышаться, стонала…

Я уже не помню, как я оказалась в раздевалке, знаю только, что по окончанию занятия я смогла прошептать тренеру, что эта его йога по-круче Кросс Фита, а жару дал он по-больше, чем на Бикраме. Одежда моя была мокрая – словно я только что совершила заплыв, волосы взъерошены, глаза горели от счастья… что полтора часа ада наконец-то закончились. Оставалась только добраться до дома и рухнуть в постель, даже не принимая душ! Господи, только бы дочка к тому моменту уже спала!

Ну что, встретимся на йоге для фасций?

*

Die Luft ist heiß, die Fenster angelaufen. Stöhnen. Menschen, die sich räkeln am Boden. Schweiß läuft über meine Arme. Nein, das ist nicht das, was Sie jetzt denken. Aber an was denken Sie jetzt eigentlich?

Ich beschloss diesen Abend in Ruhe zu vollbringen…

…und mein zweistündiges Pilates-Training mit Faszienyoga abzuschließen. Wie die Rede so geht über die Faszien, so dachte ich, das ist bestimmt etwas in der Art von Yin Yoga: liegen, sich strecken, schlafen – und mit frischen Kräften nach Hause!

Ha!

Anstatt das dreifache OM zu singen, begann der Lehrer zu erzählen, was Faszien sind, was sie im Yoga bedeuten, und warum die Tigerin, bevor sie auf die Gazelle zuspringt, sich nicht streckt, sondern ihren Körper anspannt. Hochmütig blies ich durch die Lippen und schaukelte ungeduldig im Lotus hin und her. Bald schon würde ich mich auf die Matte legen und meine ermüdeten Faszien zu tiefster Ruhe betten.

Wir begannen damit, dass wir uns, sitzend auf dem Po, mit der linken Hand nach einem imaginärem Regal mit einer imaginären Tasse ausstreckten, hoch oben rechts, während die rechte Hand den linken Oberschenkel streichelte… nicht den des Nachbarn! – den eigenen. Und ich verstand, dass sich auszuschlafen jetzt nicht stattfinden wird. Jedenfalls nicht hier! Nach der Tasse streckten wir den Mund nach Himbeeren aus, den Kopf durch die gespreizten Beine steckend. Sodann waren wir Gazellen, die vor dem Leoparden flüchteten; dann der Leopard, der die Gazelle verfolgt. Der Abend war lang und die Phantasie des Lehrers unversiegbar. Etwa zur Hälfte der Stunde lag ein Großteil des Saales schwer am Boden und suchte zu atmen, stöhnte…

Ich weiß nicht mehr, wie ich in die Umkleide geraten bin. Ich weiß nur, dass ich zum Ende der Klasse dem Lehrer noch zuflüstern konnte, dass sein Yoga cooler und härter sei als Cross-Fit und dass ich erhitzter war als im Bikram. Meine Kleidung war nass als ob ich schwimmen war, meine Haare durcheinander, die Augen glühten vor Glück… dass eineinhalb Stunden Hölle zu Ende waren. Ich musste es nur noch nach Hause schaffen, um ins Bett zu fallen, auch ohne Dusche! Lieber Gott, mach, dass meine Tochter schon schläft.

Nun, treffen wir uns zum Faszienyoga?

*

Ich danke Irina für diese kreative Verarbeitung meiner Unterrichtsstunde. Bei aller literarischen Verfremdung und Zuspitzung leuchten doch ganz wesentliche Charakterzüge meines Unterrichts durch. Für mich als Lehrer ist dieser Text ein wunderbarer Spiegel meiner Arbeit.

 

 

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