Bowspring WS Regensburg 6./7.7.2019 mit Bastian

Fasziales Yoga: Einführung in die Wahrnehmung des vielgestaltigen Stretches und seine Relevanz für eine tiefgehende Meditation

Workshop mit Bastian Schlickeisen (Berlin)

Dehnung ist ein Uranliegen des Menschen. Die meisten dehnen unbewusst, und Dehnung geschieht durch einen Ausgriff nach der Jacke am Haken oder der Kirsche am Baum. Wir dehnen den Rücken, wenn wir uns die Schuhe zubinden. Viele Menschen dehnen sich bewusst am Morgen im Bett, bevor sie aufstehen und verspüren dadurch ein gewisses gutes Lebendigwerden. Stretch hat hier etwas genüssliches, ist keine Arbeit, sondern ein wertiger, Körper und Seele nährender Vorgang. Mit dem Blick in das Tierreich weiß der Mensch zudem, das intuitive Dehnung den Sprung nach dem Fraße befördert.

Mit dem Aufkommen der sportlichen Ertüchtigung des Körpers im 19. Jahrhundert begann der Mensch Techniken zu entwickeln, Dehnung am Körper bewusst hervorzurufen, auch um andere (kraftvolle) Bewegungen zu erleichtern oder auszugleichen. Mit der Erforschung der Faszien, des elastischen Bindegewebes bei Tier und Mensch Anfang des 21. Jahrhunderts, entwickelte sich noch einmal eine neue Art und Weise zu stretchen. Im Bereich des Yogas hat die Methode des Bowsprings (seit 2013) hier wesentliche Impulse zur Erweiterung gegeben.

Das fasziale Dehnen besticht durch folgende Merkmale:

  1. Dehnung ist Wahrnehmung. Dies bedeutet, das nicht ein äußerlich-formales Ziel (eine Haltung) die Aktion bestimmt, sondern der Grad der Spürkraft des Praktizierenden. Zu fühlen und wahrzunehmen, wie das elastische Bindegewebe samt der Muskulaturen auf bestimmte Reize reagiert, ist der entscheidende Aspekt yogischen Dehnens. Die/der so Dehnende hat „Augen“ am ganzen Körper.
  2. Das Dehnen folgt nicht einem bestimmten Muster, sondern kann vielgestaltig, kreativ, räkelig und individuell daherkommen. Jede/r Übende ist auf der Suche nach dem gut spürbaren Stretch, wobei der Lehrer permanent Impulse gibt, sich immer wieder neu Wege des Dehnens erfahrbar zu machen. Gestretcht wird rotativ, pulsativ und über lange Ketten.
  3. Solch ganzheitliches Üben, welches den gesamten Körper meint, führt nach unserer Erfahrung zu einem ganz enormen Stressabbau im System. Viele Teilnehmer berichten von besonderen Meditationserfahrungen, in denen das Denken und der Vorrang des Gehirns zurück tritt und eine allumfassende Präsenz der Empfindung von sich im Raum statt hat.

Die Verletzungsgefahr ist äußerst gering, auch wenn diese Praxis des faszialen Dehnens alle Level der yogischen Erfahrung abdeckt. Der Körper wird nicht verschlissen, sondern, unter Zuführung von genügend Flüssigkeit, erneuert und gestärkt.

Der Workshop ist offen für alle Menschen, die sich freundlich ihrer eigenen Natur widmen wollen.

Eine Teilnehmerin bekannte kürzlich: „Man fühlt sich nach der Klasse ein bisschen wie nach einer guten Osteopathie-Behandlung“. Tatsächlich werden therapeutische Aspekte des Bewegens und solche des klassischen Yogas der Askese in dieser Methode vereint.

Ablauf:

Samstag, 6.7.2019 10:00 – 12:00 Uhr Einführung in das fasziale Dehnen

Wir beginnen den Workshop mit bodennahen Bewegungen, die Stretch evozieren. Ungewohnte Körperareale geraten in den Blick und zur Aktivierung, Zusammenhänge werden erkundet, der meditative Sitz bewegt. Nach und nach lösen wir den Körper vom Boden ab und erleben größere Exaltationen des Dehnens. Es geht vor allem um das Verstehen eines ganz spezifischen Zugangs zum Körper: Mit Zugewandheit und Interesse, mit Hingabe und Wachheit zu praktizieren, mit einer guten Portion Yin im Yang.

Samstag, 6.7.2019 12:30 – 14:00 Uhr Regulation des Muskeltonus, Pranayama, Meditation

Nun suchen wir Bewegung mit wenig Aufwand und Ehrgeiz. Wir rollen über den Boden, lassen den Körper das Geschehen bestimmen, achten auf gleitende, geschmeidige Abläufe gemäß der Natur des je eigenen Körpers. Wir werfen einen Blick auf die reduzierte Atmung nach Buteyko, die unseren Geist zur Meditation führt. Buteyko, ein russischer Arzt und Wissenschaftler, fand heraus, dass viele Unstimmigkeiten im menschlichen Wesen in einer versteckten, unbewussten Hyperventilation ihre Ursache haben. Die Beachtung des Atems ist das Uranliegen des Yogas, und Meditation der absolute Fokus: Das Gehirn wie einen landenden Fallschirm ausatmend nach innen fallen zu lassen…

Sonntag, 7.7.2019 10:00 – 12:00 Uhr Fließende Sequenzen im dehnbaren Raum

Im Neuen Yoga, das sich von der vorbestimmten Haltung (Asana) befreit hat (um auf andere Weise wieder zu ihr zurück zu finden), gilt der Aspekt der Dreidimensionalität der menschlichen Ausdehnung. So wird im Namen der Expansion gern der Mattenrand überschritten, um dem anarchistischen Netzwerk der Faszie genüge zu tun. Denn dieses Netzwerk hat keine Hierarchien, kein Anfang und kein Ende. Es ist unbeherrschbar, und so sei die Praxis vielgestaltig und unvorhersehbar. Sie macht Spaß, weil sie frei ist und keiner rigiden Konzeptualität folgt. Wir folgen dem Impuls des Moments.

Anmeldung direkt bei Tarayoga Regensburg