Bowspring Workshop München w/ Bastian

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4./5. November 2017

jaya-yoga München

Elektrische Beziehungen – neue Technologien für ein dynamisch-persönliches Yoga (Bowspring)

Bowspring, jener neue Yogastil, der den yogischen Diskurs derzeit dermaßen durcheinander wirbelt, der provoziert und beglückt zugleich, ist ein purer Zeitgenosse, ein Genosse unserer Zeit. Der heutige Mensch erlebt, wie alle äußeren, vorgefertigten Angebote und klassischen Lösungen ihm unter der Hand wegbrechen. Gleichzeitig merkt er, dass das Zeitalter des Heilens für ihn angebrochen ist. Heilen ist, zu verstehen, wie etwas wirklich ist, in aller Komplexität.

Wenn du in eine Steckdose greifst, spürst du (vielleicht das erste Mal), wie dein Körper in spannungsgeladenen Ketten sein zusammen hängendes Gefüge eröffnet. An einer Stelle angestoßen, belebt sich das Ganze. Bowspring sucht auf nachhaltige Weise, kraft- und spannungsmäßige Beziehungen im Körper erkennbar zu machen, die den Körper natürlich ausrichten und dynamisch stabilisieren. Stabilität ist im Bowspring kein Ergebnis statischer Erstarrung. Stabil bedeutet hier eher die körperliche Erkenntnis eines ineinander bezogenen Geflechts im Moment seiner Bewegung (Biotensegrity). Dieses Geflecht ähnelt einer Brücke, die ihre bauliche Festigkeit erst dann erweist, wenn Verkehr, Wind oder Erdbeben sie erfasst.

So können Ferse und Gesäßmuskel, zwei voneinander entfernte körperliche Stellen, eine intensiv geladene Beziehung eingehen, um im Ergebnis die gesamte rückwärtige, myofasziale Kette zu engagieren – was wiederum dazu führt, dass selbst als kompliziert angesehene Haltungen eine Erfahrung von Ganzheit und Stärke vermitteln. Persönlich ist der Bowspring, weil wir keine Asanas im klassischen Sinne nachahmen. Wir haben die Tradition vor Augen, wenden uns dann jedoch mit unserem Spürsinn nach innen und beginnen wahrzunehmen, welch großes, erfahrungsmäßiges Potential in der klassischen Asana – durch detaillierte Varianten -, noch zu bergen ist. Bowspring ist Lebendigkeit, Kreativität, Expansion, aber auch Intimität und Gefühl.

  1. Federn und Atmen – vor der Belastungsgrenze

Es gibt ein simples Gesetz im Bowspring: no force. D.h., es gibt keine Stelle, an der wir etwas aushalten müssen, um weiter zu kommen. Leichtigkeit ist die erste Prämisse. Das Federn, das Pendeln zwischen zwei Punkten, die selber nicht strapaziert werden, ist Programm. Expansion geschieht durch die Bewegtheit des ganzen Körpers. Das natürliche Atmen hält uns dazu an, in Bewegung zu bleiben. Verletzungsfrei und ohne Kater erreichen wir Tiefgang, Weite und Frohsinn.

  1. Radiant Heart – und das Schweben auf 1 Bein

Die erste bedeutende Weite ist die des dreidimensional-ballonartigen Brustraums. Qua Atmung von innen nach außen weiten sich die Rippen wie die Bälge eines Akkordeons. Diese Expansion macht Richtung nach oben und strafft und verjüngt die darunterliegende Taille. Sie verschafft jedoch auch Leichtigkeit im Körperganzen durch ein ausbalanciertes Engagement vom Herzen aus. Fülle unterhalb der Achseln expandiert den Bewusstseinsraum von unserer Körperlichkeit. Von dorther erfahren wir die Bewegungssequenzen neu im Raum: schwebend-fokussiert.

  1. Umkehr und Sprünge als normaler Teil deiner Praxis.

Bowspring lebt von den Kurvaturen des menschlichen Körpers und derer Beziehungen. Die verschiedenen Teile des Körpers kommen in ihrer Bezogenheit erst deutlicher zur Erscheinung, wenn sie nicht gestapelt übereinander stehen wie die Teile einer griechischen Tempelsäule, sondern sich zueinander hinbeugen. So kann der Hinterkopf eher zum Kreuzbein in Bezug gedacht sein als das Kinn zur Brust. Wo gebeugt wird, entstehen Hügel und Täler, Stellen, die weich sind (Kniekehle) und komplimentär gewölbte, härtere Strukturen (Kniescheibe). Bowspring sucht, solche Merkmale des Körpers, den schlangen- statt säulenhaften Charakter lebendiger Körperlichkeit zu erfassen und einzusetzen. Die Kurvaturen sind auch der Moment, wo kinetische Bewegungsenergie zur Sammlung kommt und uns zum permanenten Abstoß oder Richtungswechsel einlädt. Readiness, die innere Anlage zur aktionsmäßigen Bereitschaft, ist ein Kennzeichen einer bewegungorientierten, von Tieren abgeschauten Technologie.

  1. Präsenz: Der Ausstieg aus dem (dualen) Denken.

Bowspring ist Yoga. Yoga ist die Erfahrung des energetischen Zusammenspiels aller kosmischen Partikel und Räume. Der Erfahrende erlebt sich als Teil des Ganzen, wo er verweilen will, weil hier Heilung am entschiedensten statt hat. Weil es hier keine Diskrepanz mehr gibt zwischen mir und meinem Leben, keine Angst, kein Tod. Yoga ist das Anschalten des Lichtes, von dem wir tiefgründig heilen, weil wir Vertrauen zum Leben gewinnen aus der Einsicht in unserer eigentliche seinsmäßige Situation. Die sehr fokussierte Bewegtheit des Bowsprings generiert auf eine wohl mystisch zu nennende Weise die Ausschau und das Verkosten des energetischen, unfasslichen Grundbestands als Kern allen Lebens. Der natürlich-optimal ausgerichtete Körper schenkt als Frucht einen allseitig offenen, erleuchteten Geist.

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